Nun liegt er schon ein paar Tage zurück, der Recherchewandertag der Jungen Journalisten des DJV Thüringen. Viele Menschen haben uns nach Meiningen ins Theater begleitet, ließen sich von der Tradition des Hauses in der einführenden Rede von Intendant Ansgar Haag mitreißen, folgten den Ausführungen des Bauherren Detlef Nicolmann zum Umbau des Hauses im Jahr 2010/2011 und gingen mit dem Pressesprecher Volkert Streich sowie der Öffentlichkeitsmitarbeiterin Silke Zugmaier auf Entdeckungstour durch das Haus. Am Ende erlebten sie in der Schiller-Aufführung “Die Jungfrau von Orleans” die Praxis. Es war ein schöner Tag, der weitergeführt werden soll mit genauso motivierten Journalisten, aber neuen, aufregenden Themen. Im Folgenden schildern die Teilnehmer nach und nach ihre Erlebnisse, damit nicht nur eine Sichtweise den Tag wiedergibt.
(dz) Dieses Blau, es war ein einzigartiger erster Blick in den Zuschauerraum von der Fürstenloge aus. Unvergesslich. Kennt man doch die meisten Theaterhäuser im schweren roten Samt, so überraschte das Meininger Theater, das sich von Außen klassisch bescheiden mit seinen Säulen in den Straßenzug und das hübsche Städtchen im Thüringer Wald einfügt, von Innen aber mit übermäßigem, gut pointierten Protz aufwartete. Doch der tat dem Auge des Betrachters nicht weh. Ganz im Gegenteil. Feinsinnig konzipiert, mit Liebe zum Detail, führt er den Besucher in eine durchkomponierte Theaterwelt ein, die in Deutschland ihres Gleichen sucht. Intendant Ansgar Haag sprach schon zu Anfang von “historischem Anachronismus” und dem “Neuschwanenstein von Thüringen”. Dieser Mann hängt an dem Haus und seiner Tradition. Das merkte man in der gut anderthalb-stündigen Einführung, die er den 13 Teilnehmern des Wandertages gab. Gerne folgte man seinen Ausführungen, denn sie waren spannend, offenbarten Neues und erklärten Bekanntes. Kontroverse Thesen wie das Fürwort zum politischen Theater der DDR und der Zensur durch die Dramaturgie ordnete er in erklärende Zusammenhänge. Konzepte zur Regie verknüpfte er mit den Marketing-Strategien zur Publikumsgewinnung. Er verlor sich oft in den Ausführungen. Sprach aus dem Kopf, hatte aber keine Rede vorbereitet. Daran merkte man schnell, dass er Theater lebt und liebt. Das schnöde Marketing ist ihm ebenso lieb und teuer wie die Regietradition und Programmgestaltung. Beeindruckt hat das Haus damit auch durch seinen Intendanten.
Hier schon einmal die Fotos.
Andrea Voigt:
Wow, dieser Mann lebt fürs Theater. Sicher hatte ich Ansgar Haag schon früher einmal gesehen, auch eine Rede von ihm gehört – aber so wie er vor unserer kleinen Runde ins Schwärmen und Erzählen kam, das hätte ich mir nicht vorstellen können. In völlig freier Rede und sehr lebendig informierte er uns rund 45 Minuten lang über sein Theater. Konkret über das Meininger, seine Entstehung, seine Einordnung in die Entwicklung der Bühnen innerhalb Deutschlands. Über seine heutige Bedeutung, über den Umbau. Über wirtschaftliche Fragen bei der Stückauswahl, über das Publikum, das zum großen Teil mit Reisebussen nach Meiningen kommt und dann auch am liebsten Stücke von Thüringer Autoren sehen möchte. Die Informationen flutete nur so über uns herein, unmöglich konnte man sich alles merken. Was vor allem hängen blieb: eine schwärmerische Liebe fürs Theater, die sich auf uns alle übertragen hat.
Im Nachhinein fallen mir unzählige Fragen ein, die ich Herrn Haag gern stellen, viele Themen, über den ich ihn noch sprechen hören möchte. All das haben wir damals verkniffen. Wir wollten endlich los gehen. Sie endlich entdecken, seine Theaterwelt. “Hinter den Kulissen” sollte für uns Realität werden.
Holger Uske
Theater mit jungen Journalisten
Dass sich ein regionaler Schreibender, knapp über die Mitte 50 hinaus, noch einmal zu jungen Thüringer Journalistinnen und Journalisten gesellen durfte, machte der Recherchewandertag eben jener jungen Leute nach Meiningen möglich. Mein Anliegen war dabei denkbar einfach: ich wollte als Pressesprecher der Nachbarstadt Suhl gern auch einmal hinter die Kulissen des neugestalteten Meininger Theaters schauen. Danke also, dass ich auf diese Weise auch offiziell noch mal jung sein durfte. Überrascht war ich aber schon, wie professionell und dennoch voller Gelassenheit dieser Nachmittag ablief. Insbesondere Intendant Ansgar Haag live zu erleben, war schon ein Genuss. Ohne viel Aufhebens, so schien es, hatte er die unglaubliche Renovierungssumme für das Theater besorgt und mit Außenspielorten das Publikum während der Bauphase bei Laune gehalten. Nun geriet der sicher anders verfasste Zeitplan der Organisatoren etwas aus den Fugen, weil die Teilnehmer einen überaus engagierten Theaterchef erleben konnten, der nicht nur zum Bau, sondern auch zur Stellung seines Hauses in Südthüringen und Oberfranken sowie in der deutschen Theaterlandschaft insgesamt profund Auskunft geben konnte, nein, ins Schwärmen geriet und erreichte, was ein erster Mann für die Vermittler zwischen Ideengeber und Publikum, nämlich Journalisten, nur erreichen kann: in ihnen Begeisterung für das Theater allgemein und das Meininger Theater im Speziellen zu entfachen. Ich sah mich immer mal verstohlen um. Doch außer den multitalentierten Reportern, die sich gelegentlich hinter die Objektive ihre Kameras zurückzogen, lauschten alle beinahe atemlos dem Wortfluss, dem Gedankenstrom Ansgar Haags. Vielleicht war das ja die eigentliche Theatervorstellung dieses Tages? Der Rundgang, der Blick hinter die Kulissen wurde dann auf andere Art und Weise spannend. Was läuft vor einer Vorstellung hinter der Bühne ab? Und wie war das denn vor dem Umbau? Auf diese und andere Fragen gab es ebenso sachkundige Antworten. Und die Mitarbeiter des Theaters taten ein übriges, die Journalisten aus ganz Thüringen in ihren Bann zu ziehen. Da schob plötzlich jemand einen ganzen Kleiderständer voller Kostüme mit ihrem süßlichen Geruch vorüber. Im Technikbereich der Bühne war hingegen der Geruch der neuen Maschinen, neuen Transportgummis überdeutlich wahrzunehmen. Und dann, im Saal, gesellte sich dazu noch der Eindruck des Erhabenen: wozu war schließlich Theater einst erfunden worden… Auch dem Starruhm wurde ein wenig gehuldigt: Dies hier ist die Garderobe und das speziell der Schrank von… Und wissen Sie, die ritzen da ihre Namen ein… Na also. Schließlich soll auch von ihnen mehr bleiben als nur das gesprochene Wort. Wenn schon nicht das geschriebene, wie von den meisten uns, dann wenigstens das geritzte. Doch ob alle jungen Journalistinnen und Journalisten diese meinerseits etwas überzogenen Schlüsse zogen, bleibt zu bezweifeln. Kantinenessen: auch das bot die Möglichkeit, Theateralltag von innen her zu erleben. Die Theateraufführung am Abend dann vermochte mich weitgehend zu überzeugen und machte einiges von dem Gehörten plastisch. Danke an die Jungen! Und ein „Weiter so“ für euch, können doch solche Vor-Ort-Visiten langwierige Meinungs- und Medienrecherchen weit überbieten.
Marion Kramer
Keine Skyline in Meiningen
Meiningen. Gerne folgten wir der Einladung der „Jungschen“ in diese südthüringische Stadt, die wir bereits von einigen erlebnisreichen Besuchen kennen und an die wir uns gerne erinnern. Natürlich – wie könnte es anders sein – das Theater spielte dabei meist eine Hauptrolle. Jedoch, solch ein Blick hinter die Kulissen ist selbst für Journalisten etwas Besonderes, die zwar über manches schreiben (müssen), was sie noch nie sahen, aber die lebendige Anschauung, das persönliche Kennenlernen, das eindrückliche Erleben erleichtern die Arbeit doch ungemein. Wir haben auf diesem Recherchewandertag mehr erfahren, als es gewöhnlichen Theatergängern im Allgemeinen möglich ist; dafür sagen wir herzlich danke.
Übrigens: Wir sind vom Intendanten Ansgar Haag nicht nur detailreich über das Theater ins Bild gesetzt worden. Er plauderte auch ganz munter aus der Stadtgeschichte und sprach etwas an, was mir bis dato nicht bewusst war: Meiningen ist mit seinen fränkischen Fachwerkbauten zwar weit davon entfernt, mit der Skyline von Frankfurt verglichen werden zu können, aber eine Stadt der Banken ist es auch. Keine uninteressante Geschichte tut sich da auf. Wer Lust darauf hat und erfahren möchte, wie die Presse und das Anzeigenwesen Anteil am Werden und Wachsen des 1742 gegründeten Bankhauses Strupp, der späteren Bank für Thüringen (AG seit 1905) hat, erhält u.a. hier Aufschluss.
Ein Recherchewandertag lohnt sich eben.
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